Schließung von Ballett- und Tanzschulen durch die Corona-Verordnungen der Landesregierung unverständlich und unfair

FDP-Bundestagsabgeordneter Christian Jung besuchte die Ballettschule von Nadine Elskamp in Oberderdingen. Für den liberalen Abgeordneten ist nicht nachvollziehbar, warum Ballett- und Tanzschulen für Kinder und Jugendliche gerade im Gegensatz zu Musikschulen geschlossen werden. (Foto: Sebastian Weber)
Der Ballettunterricht wird gerade im Notbetrieb auch online durchgeführt. (Foto: Ballettschule Nadine Elskamp)
Ballettlehrerin Nadine Elskamp aus Oberderdingen. (Foto: Ballettschule Nadine Elskamp)

Oberderdingen/Bretten. Nicht nachvollziehen kann der FDP-Bundestagsabgeordnete Christian Jung (Karlsruhe-Land), warum derzeit die Ballett- und Tanzschulen in Baden-Württemberg geschlossen sind. Nach einem Besuch der Ballettschule von Nadine Elskamp in Oberderdingen, die normalerweise 350 Schülerinnen vor allem zwischen zwischen 3 und 18 Jahren hat, wandte sich Christian Jung nun an den zuständigen baden-württembergischen Sozialminister Manfred Lucha MdL. „Mich erreichen in den vergangenen Tagen mehrere Beschwerden von Ballett- und Tanzschulen aus meinem Wahlkreis Karlsruhe-Land und darüber hinaus, dass an Sie und Ihr Ministerium gerichtete Briefe nicht beantwortet werden und zum Beispiel eine regionale Kollegin der Grünen aus dem Landtag darauf verweist, dass sich Inhaberinnen von Ballettschulen lieber direkt an Frau Kultusministerin Dr. Susanne Eisenmann wenden sollten“, schreibt der FDP-Politiker. „Umgekehrt verweist ein CDU-Landtagsabgeordneter an Sie und Ihr Haus. Es geht im Kern darum, dass Musik- und Singschulen, die musikalische Früherziehung und Ballett/Tanzen anbieten, mit Hygieneauflagen wie Kindergärten und Schulen nach den aktuell gültigen Corona-Verordnungen der Landesregierung öffnen dürfen, dies aber nicht für Ballett- und Tanzschulen trotz großem Hygieneschutz und -Investitionen gilt (, die vor allem Kinder und Jugendliche als Schülerinnen und Schüler unterrichten), da Ihr Ministerium für diese zuständig ist“, betont Christian Jung.

Dies sei für die Kinder, Jugendlichen, Eltern, Ballettlehrer und ihn selbst als Bundestagsabgeordneten nicht nachvollziehbar, da der Unterricht in der Regel in Kleingruppen durchgeführt werde und die Ballettschulen darauf achteten, dass die Gruppen zum Beispiel mit Kindern besetzt seien, die morgens in den gleichen Kindergarten oder die gleiche Schule gingen und oftmals unter zwölf Jahren alt seien. „Ich hätte mir in diesen Fällen mehr Behutsamkeit und Reflexion von Ihnen und der Landesregierung gewünscht, da es keinen ersichtlichen Grund gibt, derartige Differenzierungen zu erlassen, die dazu führen, dass sich vor allem viele Mädchen im Gegensatz zu Kindern an Musikschulen nicht im Ballett- und Tanzunterricht bewegen können. Ein ähnliches unreflektiertes Vorgehen sehe ich ebenso bei Kosmetikstudios und ähnlichen Bereichen bei körpernahen Dienstleistungen (außer Prostitution), wo man bei gutem Willen und mit ein wenig Nachdenken Schließungen hätte vermeiden können, da es auch hier großartige Hygienekonzepte gibt“, gibt Jung Sozialminister Lucha unmissverständlich zu bedenken. Wegen dessen aktueller operativer Arbeit hatte schon die SPD-Landtagsfraktion den Rücktritt des Ministers gefordert.

Abschließend schreibt Christian Jung: „Deshalb bitte ich Sie, den Sachverhalt nochmals zu prüfen und auf die Briefe/Mails von Frau Nadine Elskamp aus Oberderdingen von der gleichnamigen Ballettschule zu antworten, die für viele aus der Branche und dem Tanzverband spricht. Ich habe Ihnen deshalb die Unterlagen von Frau Elskamp beigelegt. Frau Elskamp bildet zudem angehende Ballett- und Tanzlehrerinnen aus, weshalb ihre Schule als Ausbildungsbetrieb nicht geschlossen werden sollte. Sinnvoll wäre zudem, wenn Sie in der Angelegenheit einmal Kontakt mit Frau Ministerin Dr. Eisenmann aufnehmen und sie beide gemeinsam zeitnah eine Lösung finden würden, da sie meines Wissens beide noch Mitglieder der baden-württembergischen Landesregierung sind.“