Bruchsal und Baden – Heimat freier Gedanken

Jürgen WackerVon Prof. Dr. Jürgen Wacker, Fraktionsvorsitzender der Freien Demokraten FDP/Bürgerliste im Gemeinderat Bruchsal
(veröffentlicht im Bruchsaler Amtsblatt am 25.3.2015)

Heimat und Heimattage aus der Sicht der FDP/Bürgerliste Bruchsal
Bruchsal und Baden – Heimat freier Gedanken

Am 27. März 2012 stimmte der Gemeinderat der Stadt Bruchsal dem Antrag zu, die Heimattage des Landes Baden-Württemberg in Bruchsal auszurichten. Im Mai 2012 entschied daraufhin das Landeskabinett, die Heimattage 2015 in Bruchsal durchzuführen. In den Vorworten des Jahresprogrammes der Heimattage 2015 ist von Verwurzelung, Verbundenheit, Vertrautheit mit Familie und Freunden die Rede. Heimlich wird Heimat fast ausschließlich wieder in die Gartenlaube der Gutmenschen gesperrt.

1948 wurde in der UNO – Menschenrechtserklärung das Heimatrecht an die Existenz der Person und nicht mehr nur an die besondere Rechtslage eines Ortes oder an das Vorhandensein von Besitz gekoppelt. Dies geschah unter anderem unter dem Eindruck der großen Flüchtlingsströme in Folge des Zweiten Weltkrieges. In seinem Gedicht “Heimatlos” schreibt der deutsche Schriftsteller Max Herrmann-Neisse, vor den Nazis in das Londoner Exil geflohen, um dort heimatlos und herzkrank 1941 zu sterben:

“Wir ohne Heimat irren so verloren
und sinnlos durch der Fremde Labyrinth.
Die Eingeborenen plaudern vor den Toren
Vertraut im abendlichen Sommerwind.”

Die Nazis missbrauchten den Begriff von Heimat. Sie vertrieben dadurch viele aus ihrer Heimat oder trieben sie in den Tod. In den Veranstaltungen zum Gedenken an den 70. Jahrestag der Bombardierung von Büchenau und Bruchsal wurden allen Besuchern die Betroffenheit vermittelt, die sich einstellt, wenn man erkennt, wie vielen unschuldigen Menschen Unrecht zugefügt wurde.

Wir freuen uns zusammen mit allen Bürgern Bruchsals und unserer Region, dass Bruchsal als Schaufenster des ganzen Landes bezeichnet wird und 2015 zahlreiche interessante Veranstaltungen in Bruchsal stattfinden werden. Am 9. September 2014 nahm die Stadt Bruchsal 500 Flüchtlinge aus den Krisengebieten dieser Welt auf. Noch vor der Verabschiedung der “Bruchsaler Erklärung” fanden diese Heimatlose eine sichere Herberge in unserer Stadt. Unsere Aufgabe wird es sein, diesen Heimatlosen eine sichere Heimat in einem für sie fremden Land zu gewähren, oder aber für diese Flüchtlinge in ihren Heimatländern wieder für ein sicheres Leben zu sorgen.

Am 13. Mai 1849 befreiten Bruchsaler Bürger 46 politische Häftlinge aus dem damals neu erbauten Bruchsaler Gefängnis. Unter den befreiten Häftlingen befanden sich auch die Mitstreiter von Friedrich Hecker und Franz Sigel und Teilnehmer des Heckerschen Freischarenzuges wie Gustav Struve und Karl Blind, die am 25. September 1848 in Wehr gefangen genommen wurden. Karl Blind starb 1907 als überzeugter Liberaler im Londoner Exil.

Der FDP-Ortsverband Bruchsal führt am 28. September 2015 aus Anlaß der Heimattage eine Veranstaltung zur Erinnerung an diese bewundernswerte Tat Bruchsaler Bürger und in Erinnerung an die liberalen Vorkämpfer unserer heutigen Demokratie durch. Die Ideen und Taten dieser ersten Liberalen zeigen, dass Heimat mehr durch Offenheit gegenüber Anderen als durch Abschottung anderer Ideen erschaffen und erhalten wird.

Heimat findet nicht nur in der grünen Gartenlaube statt. Heimat definiert sich nicht durch Grenzen, sondern durch die Gewissheit, Geist und Gedanken frei entfalten zu können. Wie heißt es in dem bekannten Heimatlied: “Denn meine Gedanken zerreißen die Schranken und Mauern entzwei, die Gedanken sind frei!”